Ciao Maria

Cari amici,

Par la présente, nous souhaitons vous remercier chaleureusement, également au nom de la famille de Maria, d’avoir pris congé de Maria avec nous et sa famille, ici à San Martino, le samedi 30 avril 2022.
Un grand merci également à tous ceux qui n’ont pas pu venir et qui étaient chez eux en pensée avec Maria, sa famille et nous.
Nous remercions tous ceux qui nous ont aidés à organiser cette journée dans l’esprit de Maria ; merci pour les paroles de réconfort, les embrassades et les larmes partagées.
Même si Maria et Andrea ne sont plus physiquement à San Martino, leur esprit continue à vivre en nous tous et à San Martino.
San Martino continuera d’être un lieu de rencontre et un foyer pour tous les amis.
Merci Maria et Andrea pour ce lieu merveilleux et unique.

Salutations cordiales de San Martino
Paola, Elisa et Buba

Eine Rede von Dierk Röschke

​Cari Amici,

so begann in jedem Dezember der Weihnachtsbrief des Centro Culturale. Ich hoffe, ich darf euch auch so begrüßen.

Viele von euch kannten Maria länger, besser, näher als ich. Ich hoffe, ich werde der unverdienten Ehre, hier zu euch zu sprechen, auch gerecht.

Maria war eine politische Frau. Eine Frau mit Haltung.

Die Internet-Adresse des Centro Culturale lautet www.borgata-sanmartino.eu. Das war ihr wichtig. Als sie unsere Hochzeit in Stroppo organisiert hat, war ihr Motto: „Das ist Europa!“

Sie hat sich in Indien engagiert.
Menschen aus der ganzen Welt haben in San Martino gearbeitet oder arbeiten noch hier: aus China, aus Guinea-Bissau, natürlich auch aus Italien 🙂

Erinnert ihr euch an die Pace-Fahnen, auch hier in San Martino? Maria wurde unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg geboren. Gut, dass sie den Krieg in der Ukraine nicht mehr erleben musste.

Marias Botschaft: Es ist eine Welt – und wir alle mögen in Frieden zusammenleben. Und wir fangen hier in San Martino an.

Ein Maira-Tal mit sanftem Tourismus war immer ihre Vision. Skilifte, Mountain Bikes, E-Bikes hat sie sehr kritisch gesehen.

Maria war Unternehmerin.

Sie war eine Frau der Tat, der Realisierung, von Worten zu Taten.

Schon als junge Frau hatte sie einen 3. Welt-Laden in Köln mit Waren aus Afghanistan.

Im höheren Alter hat sie noch eine Ayurveda-Hotel mit Partnern in Kerala / Indien gebaut und betrieben.

Aber ihr und Andreas Lebenswerk ist San Martino inferiore. Die Anfänge im Valle Maira mit der Sprachenschule sind vielen von euch bekannt.

Hier war ihr Zuhause. Es ist wunderbar, dass wir uns hier und heute von ihr verabschieden dürfen.

Andrea und Maria haben diesen Ort neu aufgebaut und belebt. Sie hat viel Geld und Herzblut in den Aufbau und in den Erhalt von San Martino gesteckt.

Maria war Gastgeberin.

Sie wollte, dass sich die Gäste in San Martino wohl fühlen. Als Gastgeberin musst Du das von Herzen wollen – nur dann funktioniert das auch. Wenn es Dir vor allem ums Geld verdienen geht, dann funktioniert es nicht. Das war ihre Philosophie.

Als der Gastraum noch oben im Haupthaus war, saßen alle Gäste an einem Tisch. Man kam und kommt mit spannenden, tollen Menschen beim gemeinsamen Abendessen in Kontakt. Dieses Konzept wurde im neuen Restaurant im Wesentlichen beibehalten. Für mich ist es ein Geheimnis dieses Orts.

Das Essen war und ist eines der Höhepunkte in San Martino. So muss es im Piemont ja auch sein J In den ersten Jahren haben Sandra und ich immer die Menüs notiert. Und auf Sonderwünsche wie „vegan“, „vegetarisch“ oder „glutenfrei“ wurde und wird immer eingegangen. Denn der Gast soll glücklich sein.

Was Maria auch noch wichtig war: Perfekte Sauberkeit.

Und: Alle Gasträume, alle Gastzimmer sind mit Liebe und individuell gestaltet und geschmückt. Man muss durch San Martino mit offenen Augen gehen – und entdeckt immer wieder Neues.

 

San Martino inferiore ist ein Kultur- und Begegnungszentrum – Centro Culturale Borgata.

Immer gab und gibt es Konzerte, Ausstellungen in der eigenen Galerie, Außeninstallationen, große Feste. Maria wollte, dass wir ihr zu Ehren ein großes Fest mit Musik zum Abschied feiern.

Aber was ist Kunst und Kultur ohne Menschen, die sich an ihr erfreuen? Noch wichtiger war ihr, dass sich Menschen hier begegnen können.

Wie sagt der deutsche Philosoph Hans-Georg Gadamer? „Die Arbeit trennt, das Fest verbindet.“ In der Arbeit gibt es viele Dinge, die uns entzweien können. In der Kunst, im Fest kommen wir wieder zusammen und feiern unsere Verbundenheit.

Es ist so wunderbar, dass wir uns heute hier treffen. Was würde Maria jetzt zu uns sagen? Vielleicht würden ihr die Zeilen von Henry Scott Holland gefallen:

„Tot ist überhaupt nichts: Ich glitt lediglich über in den nächsten Raum. Ich bin ich, und ihr seid ihr. Warum sollte ich aus dem Sinn sein, nur weil ich aus dem Blick bin? Was auch immer wir füreinander waren, sind wir auch jetzt noch. Spielt, lächelt, denkt an mich. Leben bedeutet auch jetzt all das, was es auch sonst bedeutet hat.
Ich warte auf euch, irgendwo, sehr nah bei euch. Alles ist gut.“

Maria liebte Tiere.

Ihre Bergamasker Fiume und Luna werden immer einen Platz in unserem Herzen haben. Bei unserer Hochzeit lagen sie mit ihren Glöckchen bimmelnd vor uns unter dem Tisch. Ich erinnere mich, wie ich mit Maria im Spätherbst mit ihrem kranken Hund Tita jeden Tag zum Tierarzt gefahren bin. Oder ihre Katzen, die sie so sehr geliebt hat. Und Leica hört nicht und sieht nicht – aber sie hat immer noch großen Spaß an Wanderungen. Und am Schicksal der anderen Tiere hat sie immer kritisch Anteil genommen – sei es am Umgang mit Eseln, Pferden oder anderen Tieren.

Maria liebte Menschen. Sie liebte uns.

Es muss einen Hintergrund haben, weshalb Maria Sozialpädagogik studierte. Leider kenne ich den nicht. Aber Menschen waren ihre wirkliche Berufung. Sie hat keine Mühen gescheut, um Menschen zu begegnen. Ich kann nur von eigenen Beispielen berichten: Zu meinem 50. Geburtstag ist sie nach Bayern gekommen, sie hat Sandra mitten in der Nacht am Flughafen in Kerala empfangen.

Bei Maria hat jeder seine Chance bekommen. Egal ob es ein italienischer Diplomat in der Midlife-Crisis oder ein Geflüchteter aus Afrika war. Sie akzeptierte und liebte jeden von uns mit seinen Eigenheiten. Gerade und auch, wenn sie sich über uns aufregte.

Maria war eben nicht nur auf Harmonie aus, sondern sie konnte sich auch durchsetzen oder auch mal giftig sein; sie hat sich mit uns Allen auseinandergesetzt. Wenn ein Jugendlicher mit der Familie hier Urlaub machte, fragte sie: „Was hast Du denn verbrochen, dass Du hierher mitmusst?“ Oder zu meinem Cousin: „Jetzt schau, dass Du mal auf eigene Beine kommst.“ Und gleichzeitig hat sie ihn für sein herrliches Geigenspiel in der Kirche von Elva geliebt.

Sie hat viele Menschen großzügig unterstützt, gerne und oft auch Mädchen und Frauen. Maria hat uns alle geliebt.

Wie soll ich enden?

Das Gespräch, der Dialog, die Begegnung mit Menschen waren ihr Zeit ihres Lebens das Wichtigste – bis zum Schluss. Und sie hat diesen Ort geschaffen, damit wir alle uns begegnen können.

Maria – danke für Deine Liebe – danke für das, was Du für uns geschaffen hast.

In diesem Sinne: Auf die Liebe und das Leben – bis zum Tod und darüber hinaus.

Dierk Röschke

Eine Rede von Roberto Tomasini

Maria

Für mich ist Maria Musik. Sie hat sich immer mit Musik und Musikern umgeben. Sie hat uns bei allen möglichen Gelegenheiten eingeladen und wir haben hier immer gerne gespielt. Unzählige Male, kleine und große festliche Anlässe, mit Großzügigkeit und Freundschaft empfangen, einzigartige Momente.

Für mich ist Maria die Welt, die ich nicht kenne, die ich aber dank ihrer Worte kennengelernt habe. Die Reisen in den Orient in Zeiten, in denen das Reisen wirklich ein Abenteuer war, an Orten, die heute unzugänglich geworden sind, die aber für sie, Andrea und ihresgleichen eine unwiderstehliche Anziehungskraft hatten.

Maria ist für mich die Brücke, um die Menschen in der Welt kennenzulernen. Dank ihr habe ich Leute von weit entfernten Orten kennen und schätzen gelernt, die sich hier zusammenfanden und von diesem Ort und seiner Idee des Zusammenlebens angezogen wurden.

 

Für mich ist Maria eine Unternehmerin, die vor allen anderen erkannt und verstanden hat, in welch gesegnetem Teil der Welt wir hier leben, schon zu Zeiten als Begriffe wie Albergo Diffuso und nachhaltiger Tourismus noch nicht zu unserem Wortschatz gehörten.

Für mich ist Maria eine große Schwester, die zu jener Generation gehört, die sich ein völlig neues Leben und einen anderen Umgang mit den Mitmenschen vorstellte und es mit Erfolg umgesetzt hat. Sie hat uns konkret gezeigt, dass es möglich ist.

Für mich hatte Maria manchmal einen kantigen Charakter, nicht immer kompromissbereit, vielleicht teutonisch. Aber das hat mich nie gestört, es hat meine Zuneigung und Bewunderung für sie nie berührt.

Für mich haben Maria und Andrea mehr als viele andere verstanden, wie wichtig es ist, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen, indem sie schnell und gut Italienisch lernten und sich jedem gegenüber öffneten, auch gegenüber den Misstrauischen. Sie waren nie abgesondert, sondern immer völlig im sozialen Gefüge vor Ort integriert. Und zwar nicht aus Kalkül, sondern weil ihnen ihre Mitmenschen einfach wichtig waren.

Für mich ist Maria ein bewundernswertes Beispiel für Stärke und Würde, bis zum Ende.

Für mich ist Maria hier bei uns
Tommy (Roberto Tomasini)

Eine Rede von Ivo Graf

Gedanken zum Abschied von Maria Schneider anlässlich der Aschenverstreuung

Wir nehmen Abschied von Maria.

Während fast 25 Jahren bin ich Maria mindestens eine Woche pro Jahr in San Martino begegnet. Ich habe mit ihr spannende und intensive Gespräche geführt und philosophiert über Gott und die Welt, oft auch über die Zukunft von San Martino. Bei meiner letzten Begegnung im Oktober 2021 haben wir lange über das Sterben gesprochen.

Maria war für mich eine seelenverwandte Freundin. Sie hat die Menschen geliebt! Viele hat sie in schwierigen Lebenssituationen begleitet und unterstützt. Sie konnten sich San Martino erholen und auftanken.

Maria hat in diesen wunderschönen Ort all ihre Liebe und Energie hineingegeben. Der Garten, die Häuser und ihre Zimmer tragen Marias liebevolle Handschrift und erfreuen die Menschen. Maria hat auch die Natur und die Tiere von Herzen geliebt.

Im Sommer 2017 hat sie mir geschrieben:

„Ich möchte den letzten Teil meines Lebens an diesem wunderbaren Ort glücklich leben und verbringen“

Leider wurde sie von der heimtückischen Krankheit ALS überfallen.

Aber ich bin glücklich, dass sie liebevoll begleitet und gepflegt ohne Schmerzen loslassen und sterben konnte.

Auch wir wollen jetzt Maria loslassen, indem wir gemäß ihrem Wunsch am Herzens Ort ihres Lebens die Asche verstreuen.

Ich bin überzeugt, dass ihr guter Geist hier an diesem Kraftort San Martino inferiore weiterwirken wird für die Menschen die hierher kommen.

Möge die Seele von Maria in ewigem Glück und Frieden leben!

Ivo Graf